Aus Überzeugung und mit Vorbildfunktion

Interview mit dem Hotel & Wirtshaus Post in St. Johann in TirolSeit April 2022 ist das 700 Jahre alte Traditionshaus Hotel & Wirtshaus Post mit dem Österreichisches Umweltzeichen zertifiziert. Damit macht der Betrieb sein nachhaltiges Handeln auch offiziell sichtbar und unterstreicht sein langfristiges Engagement für verantwortungsvolles Wirtschaften.

Im Februar 2023 sprach das Convention Bureau Tirol mit Hoteldirektor Maximilian Blumschein über den Weg zur Zertifizierung, die Anforderungen des Österreichischen Umweltzeichens, notwendige Umstellungen im Betrieb sowie über Herausforderungen und Veränderungen im Mindset der Mitarbeitenden.

Nachhaltigkeit im Blut

Maximilian Blumschein stammt ursprünglich aus dem Salzburger Land, wo seine Familie ein Bio-Hotel betreibt. Bereits dort war er aktiv an der nachhaltigen Ausrichtung des Hauses beteiligt und beschreibt diesen Weg als besonders spannenden und lehrreichen Prozess.
Mit diesen Erfahrungen und seinem ausgeprägten unternehmerischen Denken kam er gemeinsam mit seiner Frau Sigrid Blumschein nach St. Johann in Tirol. Zusammen übernahmen sie das Hotel & Wirtshaus Post, wo sie ihr nachhaltiges Hotelkonzept seither konsequent weiterführen.

Der Zertifizierungsprozess

Mit dem Gedanken, das Hotel & Wirtshaus Post mit dem Österreichisches Umweltzeichen zertifizieren zu lassen, beschäftigten sich die beiden bereits über längere Zeit. Erst 2021 wurde die Zertifizierung aktiv gestartet, im April 2022 erfolgreich abgeschlossen und im Jänner daraufhin feierlich vom Bundesministerium für Klimaschutz überreicht.

Ausschlaggebend für den Start waren zwei Faktoren: Einerseits sollte ein klares Alleinstellungsmerkmal geschaffen werden, andererseits bot der bauliche und organisatorische Zustand des Hauses ideale Voraussetzungen. Durch die umfassende Generalsanierung im Jahr 2014 befanden sich auch alle internen Betriebsbereiche bereits auf dem erforderlichen Standard.

Insgesamt dauerte der Zertifizierungsprozess rund ein Jahr, wobei sich die intensive Phase über etwa sechs Monate erstreckte und durchschnittlich zwei bis drei Arbeitsstunden pro Woche beanspruchte. Fachlich begleitet und motivierend unterstützt wurde der Weg von einer Beraterin des VKI (Verein für Konsumenteninformation).

„Immer wenn etwas neu ist, bist du euphorisch und fängst ganz motiviert an, aber die Euphorie endet irgendwann, du stößt immer wieder auf Hürden und das alltägliche Geschäft ist auch noch da. Und da jemanden an der Seite zu haben, der dir den symbolischen Tritt gibt weiterzumachen, dich unterstützt, die folgenden Schritte mit dir bespricht, dich anleitet – das ist natürlich sehr hilfreich“, erzählt uns Maximilian und legt jedem Betrieb, der den Weg der Zertifizierung geht, eine Begleitung durch eine:n Berater:in ans Herz.

Herausforderungen & Umstellungen

Die größte Herausforderung im Zertifizierungsprozess des Hotel & Wirtshaus Post lag im Zeitmanagement: Zwar waren viele Grundlagen durch den Umbau bereits vorhanden, zahlreiche technische Kennzahlen – etwa zu Energie- und Wasserverbrauch oder Dämmwerten – mussten jedoch erst detailliert erhoben werden, was sich aufwendiger als erwartet erwies.

Wichtige Anpassungen betrafen unter anderem die Umstellung auf ökologische Reinigungsmittel sowie neue Standards im Reinigungsmanagement, die mit moderaten Mehrkosten verbunden sind. Bei den Kosmetikartikeln setzt das Hotel auf die Zusammenarbeit mit Walde Seife, einem traditionsreichen Tiroler Partnerbetrieb. Ergänzend wurden Mülltrennstationen auf den Stockwerken eingerichtet und gasbetriebene Heizstrahler im Außenbereich durch elektrische Heizkissen ersetzt.

„Also heilig sind wir auch nicht, irgendwo werden wir schon CO₂ abgeben, aber wir machen es sicher besser als der Durchschnitt, das glaube ich schon, und das gehört auch gezeigt und kommuniziert.“ so Maximilian Blumschein.

In der Küche wird bewusst vollständig auf Meeresfrüchte verzichtet. Klassische Gerichte wie „Surf and Turf“ interpretiert das Haus daher regional – etwa mit Saiblingsfilet aus heimischen Gewässern. Verarbeitet werden zudem 100 % Freilandeier sowie Rindfleisch aus der Kooperation mit dem Brunnhof, einem landwirtschaftlichen Betrieb mit eigener Rinderzucht in St. Johann in Tirol.

Die Edelteile werden im hauseigenen Feinkostladen Postmarkt verkauft, der überwiegend Produkte aus der Region, Tirol und Italien führt, während weitere Fleischteile im Wirtshaus verarbeitet werden. Insgesamt wird der Import von Lebensmitteln auf ein Minimum reduziert – mit wenigen Ausnahmen wie Kaffee oder Kakao, die in Europa nicht angebaut werden können.

Mitarbeiter Mindset

Mit der Übernahme des Hotels wurde von Beginn an am Mitarbeiter:innenhandbuch und Leitbild gearbeitet. Maximilian Blumschein betont, wie wichtig es ist, Mitarbeitende fortlaufend einzubinden und die Mission des Hauses klar zu vermitteln: „Wir leben Qualität und Glück – nur wer selbst zufrieden ist, kann auch Gäste glücklich machen.“

Die Belegschaft zeigte sich vom Zertifizierungsprozess offen und engagiert, alle wurden aktiv einbezogen. Mitarbeiter:innenzufriedenheit hat einen hohen Stellenwert, wird regelmäßig in Jahresgesprächen besprochen und IST- und SOLL-Zustände werden evaluiert.

Auf die Frage, ob Maximilian noch etwas ergänzen möchte, antwortet er mit: „Ja, eigentlich sollte es Standard sein. Eigentlich gehört es andersherum gemacht, eigentlich gehört Bio als Standard und alle, die es nicht machen, müssten sich belabeln lassen, dass sie es nicht machen.“

Maximilians Tipps für ein Green Meeting:

  • Anreise mit dem Zug: die regionale Gästekarte ermöglicht eine kostenfreie Nutzung der Bahn- und Busverbindungen.
  • Die Postmarkt Jause: Danzl Käse, Speck vom Nachbarbauern, Postmarktbrot nach traditioneller Art, …
  • Das richtige Hotel und das ist natürlich das Hotel & Wirtshaus Post in St. Johann (mit einem Augenzwinkern)

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